Da wir in unsrer Schule aktuell aus Sicherheits- und Datenschutzgründen kein Moodle habe, bin ich gezwungen gewesen, mich intensiv mit zwei Lernplattformen zu beschäftigen. Das motiviert mich, mir einen ersten Rückblick zu gönnen. Es bestand die Notwendigkeit für den Netzführerschein in der 6. Klasse – ein Angebot an unserer Schule in Form von 2 Projekttagen – den Kurs umzuziehen. Tatsächlich besteht keine Kompabilität zwischen den beiden Plattformen und es muss alles händisch übertragen werden.

Lassen wir mal die beiden Systeme gegeneinander antreten.

Übersichtlichkeit:

Ansicht Moodle 3.42

Moodle 3.42 mit dem Thema Fordson

Lo-net2 Screenshot

Lo-net2 – Schüleransicht

Moodle ist ein Content Managment System, dass dem Admin bzw. dem Kursverwalter einen sehr großen Spielraum gibt. Ich persönlich arbeite mit einem Themenformat. D.h. einzelne Themen können wie Kapitel unterteilt werden. Ich kann sehr gezielt Links und Daten setzen. Man kann Überschriften oder Texte formulieren. Lonet arbeitet demgegenüber nicht mit Themenabschnitten. Vielmehr ist es so, dass Tests oder Links nur in einem festen Unterpunkt untergebracht werden können. D.h. ich habe alle Links unter einem Punkt und ich habe alle Tests (hier mit dem Namen Courselets) unter einem Menüpunkt. Zwar kann man wie am Text sieht, auch eine kleine Einleitung forumlieren, aber um Links zu setzen, müsste ich HTML Befehle in den Text integrieren. Das mag zwar noch auf kleinen Text machbar sein, wird aber dann bei größerem Abschnitten sehr anstrengend. Lo-net2 setzt zusätzlich auf Icons. Um sich selbst einen Eindruck verschaffen zu können, habe ich hier zwei Screenshot eingefügt. Links ist Moodle, rechts ist Lo-net. Ich habe die Ansicht verkleinert, mit einem Klick auf die Bilder können Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen.

Moodle – Lonet: 1:0

Datenvolumen

Hier zeigt Lo-net tatsächlich eine Stärke. Während der Email-Client relativ geizig bei Datenvolumen ist, hat man die Möglichkeit im Kurs insgesamt 500 Mb unterzubringen. Es wäre also auch denkbar, kleine Filme zu platzieren.

Diese Möglichkeit gäbe es auch bei Moodle, doch gibt es erstmal einen Limit für Dateien. Die maximale Dateigröße ist vom Provider und vom Vertrag abhängig. Bei entsprechenden Verträgen sind allerdings auch Dateien bis 512Mb denkbar, auf meiner Seite gehen aktuell bis zu 128MB, allerdings kann man auch größere Datenmengen über sog. Repositories hochladen. Dafür benötigt man allerdings einen Ftp-Zugang oder platziert die Dateien außerhalb des Kurses in einer Cloud.

Das Datenvolumen insgesamt ist auch von dem jeweiligen Betreiber abhängig. Hat man eine eigene Homepage, auf der Moodle liegt, dann kann das Datenvolumen knapp werden, vor allem dann wenn eine ganze Schule darauf zugreift. Da allerdings immer mehr Bundesländer auch ein Schulmoodle anbieten, lohnt sich hier der direkte Vergleich.

Moodle – Lonet 1:1

Tests bzw. Courselets

Bei dem Kurs, den ich bei den Bildern zeige, war ich gezwungen, die Tests zu übertragen. Hier gewinnt Moodle deutlich. Zum einen ist das Handling leichter. Bei Lo-net2 ist man teilweise gezwungen mit mehreren Elementen zu arbeiten, um z.B. eine Multiple-Choice Aufgabe zu erstellen. Mit Moodle ist das Format sofort eingestellt.

Dazu kommt noch, dass das die Art der Aufgaben (z.B. das Beschriften von Bildern) vielfältiger sind und das Zeitmanagement für die Aufgaben unterschiedlich eingestellt werden können. So ist z.B. denkbar, eine Zeitgrenze einzuführen, man kann den Test zu einem gewissen Zeitpunkt öffnen bzw. schließen.
Weiterhin kann man im Test die Reihefolge der einzelnen Testfragen bzw. Aufgaben zufällig variieren lassen. Auch ist die Auswertung für den Lehrer im Anschluss übersichtlicher und leichter.

Wenn man speziell auf Tests großen Wert legt, kommt man an Moodle nicht vorbei. Ich verstehe auch nicht, wieso Lo-net2 nicht dieses Plugin installiert, das müsste doch eigentlich implementierbar sein. Aber vielleicht sieht das ein Programmierer ganz anders.

Moodle – Lonet 2:1

Kompetenzorientierung

Moodle Screenshot- zugeordnete Kompetenzen

Moodle – zugeordnete Kompetenzen

Neu entdeckt habe das Thema der Kompetenzen bei Moodle. Das bietet einige faszinierende Möglichkeiten, denn ich kann bis in 4 Ebenen hinein einzelnen Kompetenzen aufgliedern.

Rechts habe ich ein Beispiel dafür für einen Kurs. Ich kann dann auf Tests bzw. auf Dateien, Links etc. verweisen. D.h. der Schüler weiß immer, wo er bestimmte Fähigkeiten nochmals üben kann bzw. wo diese besonders gefragt sind.

Weiterhin besteht auch die Möglichkeit, Schülern Lehrpläne zuzuweisen. Denkbar wäre es sogar. Lehrpläne einem einzelnen Schüler, bestimmte Gruppen oder einer gesamten Klasse zuzuordnen. Gerade hinsichtlich einer Binnendifferenzierung bietet Moodle viel Potential.

Bei Lo-net besteht lediglich die Möglichkeit einen Lernplan frei zu formulieren. Ich empfinde es jedoch bei Moodle als enorme Entlastung, auf eine vorgegebene Struktur zurückgreifen zu können.

Moodle – Lonet 3:1

Anpassungsfähigkeit

Für Moodle gibt es eine riesige Anzahl an Plugins. Eine wirklich sehr große Community arbeitet ständig an der Funktionalität des Systems. Die Variabilität und die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten sind enorm. Lo-net2 wird zwar weiter entwickelt, allerdings bei weitem nicht mit der Geschwindigkeit wie Moodle. Durch Plug-Ins sind sowohl Ressourcen-Planung als auch Vertretungspläne in gesicherten Räumen.

Moodle – Lonet 4:1

Schultrojaner

Einer der Gründe, warum sich manche Kollegen für Lo-net2 entschieden haben, war die Angst vor dem sog. Schultrojaner. Die Verlage wollten schulische Server auf illegal kopiertes Material durchsuchen lassen. Die Ängste sind allerdings unbegründet, da es seit 2013 eine Vereinbarung zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und den Schulbuchverlagen gibt, die genau das verhindert hat. Ich hatte mich damals eh gefragt, wie das allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen hätte durchgeführt werden können. Weitere Informationen dazu finden sich unter dem oben angegebenen Link.

Moodle – Lonet 5:2

Organisation

Eine große Stärke von Lo-net ist die Organisation. Im Prinzip kann man über Lo-net die gesamte Schule organisieren und planen. Das Ganze ist allerdings auch über Moodle möglich. Den einzigen Vorteil sah ich in der Emailadresse, die bei Lo-net automatisch beim Anlegen integriert wird. Problematisch ist aber dabei das geringe Datenvolumen, auch hat aktuell das Zertifikat des Imap Servers Probleme. Moodle legt demgegenüber den Schwerpuntk auf die Messenger-Funktion über die App und kann dadurch gegenüber Lo-net punkten. Insgesamt ist hier Moodle und Lonet ausgeglichen.

Moodle – Lonet 6:3

Smartphone – Apps

Sowohl für Moodle oder Lo-net werden Apps angeboten. Sowohl im Handling als auch von der Funktionalität her schlägt die Moodle App den Webweaver, die Variante von Lo-net2, bei weitem. Das interessante bei der Moodle App besteht darin, dass man den gesamten Kurs downloaden kann, um Moodle dann auch Offline nutzen zu können. Gerade bei schlechtem Empfang z.B. im Klassenzimmer ist das Gold wert. Darüber hinaus die Möglichkeit der Kommunikation, den ständigen Überblick hinsichtlich der Lernpläne und die eigenen Erfolge zu sehen, das macht die Moodle-App zu einer faszinierenden Anwendung im schulischen Kontext. Der Web Weaver legt demgegenüber lediglich den Wert auf die Kommunikation also Mitteilungen, und dazu noch die Dateiablagen. Sobald man dann aber in den Kurs möchte, benötigt man eine Internetverbindung.

Moodle – Lonet 7:3

Einsatz der Systeme in verschiedensten Bildungseinrichtungen

Auch sollte man als Schule sich nicht nur auf Momentaufnahmen konzentrieren, sondern sich auch bewusst machen, dass viele Schüler nach ihrer Schule mit Moodle arbeiten werden. Während Lo-net2 eine reine Schulplattform ist, wird Moodle inzwischen auch in einer Reihe von Universitäten eingesetzt. Ein Aspekt sollte an einem Gymnasium oder weiterführenden Schule auch sein, die Schüler auch von der Software her fit für die Hochschule, Uni etc. zu machen.

So steht es am Ende:

Moodle – Lonet 8:3

Resümee

Für beide Plattformen gibt es Argumente, allerdings gewinnt für mich bei genauerer Betrachtung Moodle. Das eindeutige Ergebnis lässt sich wohl damit erklären, dass hinter der Moodle Entwicklung eine Riesencommunity steht, die in der ganzen Welt aktiv ist. Lo-net2 wird demgegenüber durch Cornelsen administriert und entwickelt. Zum einen werden hier die personelle Ressourcen allein schon aus wirtschaftlichen Gründen limitiert sein, zum anderen hat der Verlag vermutlich auch finanzielle Interessen und möchte sein Angebot platzieren.

Thomas Graschtat – 2018

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